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Einsatzkräfte sind keine Maschinen

- Ein Einsatz einmal anders gesehen -

 

Mittwoch 30.01.2002 ca. 06:05 Uhr
Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rotes Kreuz fahren einsatzmäßig zu einem Verkehrsunfall mit vermutlich eingeklemmten Personen.
Am Einsatzort angekommen bleibt den Einsatzkräften fast das Herz stehen, es handelt sich bei dem verunfallten Fahrzeug um ein Rettungsfahrzeug, welches in einen Teich gestürzt ist und am Dach liegt!
3 Menschen sterben in dem Wrack, der Fahrer kann gerettet werden ....

Routinearbeit für die Einsatzkräfte???
Am Ort des Geschehens gibt sich jeder einzelne Helfer die größte Mühe, um irgendwie helfen zu können.
Immer im Bewusstsein, dass die Menschen im Fahrzeug ja Kollegen sind!
Von wo sind sie? Wer sind sie? Wieviele sind im Fahrzeug?
Machtlosigkeit steigt in den Einsatzkräften hoch!
Es kann nicht schnell genug gehen!
Teilweise laufen die Dinge wie in Trance ab!
Man handelt instinktiv!

......

Irgendwann ist der Einsatz endlich beendet.
Die Einsatzkräfte fahren mit ihren Fahrzeugen wieder zurück in ihre Rot Kreuz Dienststellen oder ins Feuerwehrhaus.


Es ist merkwürdig ruhig!
Warum spricht niemand was?
Warum musste das passieren?
Warum musste es gerade diesen Menschen passieren???
Warum gerade den Kollegen/innen die helfen wollten???
WARUM???
Immer wieder WARUM???
Was ist nur geschehen???
Was ist IN UNS geschehen?


Die Einsatzkräfte merken jetzt erst dass etwas mit ihnen passiert ist!
In ihrem Körper hat sich was getan!
Man will diese schrecklichen Bilder möglichst schnell wieder los werden.
 

12:30 Uhr
Die Einsatzkräfte von Rotem Kreuz und Feuerwehr sitzen beisammen, am Tisch eine brennende Kerze, überall im Gebäude stößt man auf Trauer und es ist ruhig!
Zu ruhig!!!
In die Runde der 22 Einsatzkräfte haben sich fremde Gesichter gemischt!
Es sind Ersthelfer der anderen Art!
6 PEER´s (jeweils 3 von Rotem Kreuz und Feuerwehr) und eine psychologische Fachkraft.
Zögernd beginnt das Gespräch und immer mehr Menschen reden über das Erlebte bei diesem Einsatz!
Jede Einsatzkraft hat es ein wenig anders erlebt!
Man spricht auch über die Gefühle!
Es soll noch ein ausgedehntes Gespräch werden!
Man nimmt sich Zeit!
Jede und jeder kann sich die Eindrücke von der Seele reden!
Aber keine und keiner muss!
Die Teilnahme ist absolut freiwillig!

Nach dem ausgedehnten ersten Gespräch werden weitere Termine vereinbart, es werden die Adressen zwischen Einsatzkräften und den PEER´s bzw. der psychologischen Fachkraft ausgetauscht!

Jedem ist bewusst: Einsatzkräfte sind keine Maschinen!

 

Dieser Bericht ist die private Sicht des Verfassers!

Es geht absolut nicht um die Technik der Einsatzkräfte, sondern um die Menschen, die in einer Einsatzkraft stecken!

Aus Gründen der Verschwiegenheit, die bei solchen Erstgesprächen besteht, gibt es natürlich keine Einzelheiten oder Details der Gespräche!

Jene Einsatzkräfte die am ersten Gespräch teilgenommen haben sind garantiert keine "Looser" oder "Weicheier"!

Ganz im Gegenteil.

Sie haben erkannt, dass sie keine Maschinen sind und es besser ist, diesen Einsatz gemeinsam zu verarbeiten!

Hut ab vor diesen Menschen!

Ich wünsche allen diesen Einsatzkräften, dass sie das Erlebte möglichst rasch verarbeiten können!
 

Ein PEER

Der Autor stellt den Beitrag Fire-World zur Verfügung!
Auf eine Namensnennung wird bewusst verzichtet!

gesehen im Internet bei FireWorld

Ps: In Luxemburg wird diese Aufgabe von den USP-Gruppe der Protection Civile, resp. der Polizei übernommen. (USP = Unité de Support Psychologique)